Alte Maße umrechnen - von Loth bis Seitel
Was Oma noch wusste: historische Küchenmaße und ihre heutigen Werte
Die wichtigsten alten Maße
1 Loth = 15 Gramm. 1 Quint = 3,5 g. 1 Vierling = 125 g. 1 Maß = 2 Liter. 1 Seitel = 333 ml.
Umrechnungstabelle: Alte Maße in Gramm und Liter
| Altes Maß | Langform | Metrisch | Gramm / ml |
|---|---|---|---|
| 1 Pfund | ein Pfund | 1/2 Kilogramm | 500 g |
| 1/2 Pfund | ein halbes Pfund | 1/4 Kilogramm | 250 g |
| 1/4 Pfund | ein viertel Pfund | 1/8 Kilogramm | 125 g |
| 1 Loth | ein Loth | - | 15 g |
| 1 Quint | ein Quint | - | 3,5 g |
| 1 Vierling | ein Vierling | - | 125 g |
| 1 Maß | ein Maß | 2 Liter | 2.000 ml |
| 1 Neulot | ein Neulot (ab 1872) | 1/50 Pfund | 10 g |
| 1 Seitel | ein Seitel | 1/3 Liter | 333 ml |
| 1 Zentner | ein Zentner | - | 50.000 g (50 kg) |
Informelle Küchenmaße aus alten Rezepten
| Angabe | Bedeutung | Ungefähr |
|---|---|---|
| 1 Prise | Menge zwischen Daumen und Zeigefinger | unter 1 g |
| 1 Messerspitze | Was auf eine Messerspitze passt | ca. 0,5 g (1/2 TL) |
| 1 Schuss | Kurzer Guss aus der Flasche | 10-20 ml |
| 1 Spritzer | Wenige Tropfen (Zitrone, Essig) | 3-5 ml |
| 1 Tasse | Alte Kaffeetasse (nicht US Cup) | 150-180 ml |
| 1 Glas | Wasserglas | 200-250 ml |
| 1 Obertasse | Teetasse | ca. 200 ml |
| 1 Mokkatasse | Kleine Espressotasse | ca. 80 ml |
Warum alte Maße in Rezepten auftauchen
Wer in handgeschriebenen Rezeptheften der Großmutter blättert, stößt auf Angaben wie "2 Loth Butter" oder "1 Quint Pfeffer". Auch gedruckte Kochbücher vor 1900 verwenden diese Einheiten selbstverständlich. Erst die Einführung des metrischen Systems im Deutschen Reich (1872) ersetzte die alten Maße schrittweise durch Gramm, Kilogramm und Liter.
In der Praxis hielten sich die historischen Bezeichnungen noch Jahrzehnte. Viele Rezepte aus den 1920er und 1930er Jahren mischen metrische und alte Angaben. Wer diese Rezepte heute nachkochen will, braucht eine zuverlässige Umrechnung.
Das Loth - die vergessene Feinwaage
Ein Loth entsprach 15 Gramm (genauer: 14,6 g bis 16,7 g je nach Region). In Rezepten steht es oft für kleine Mengen: "3 Loth Zucker" bedeutet rund 45 Gramm. Das Loth war die Standard-Einheit für Gewürze, Backpulver und andere Zutaten, die man nicht pfundweise kaufte.
Ein Pfund enthielt 32 Loth. Wer also in einem alten Rezept "8 Loth" liest, kann auch sagen: ein Viertel Pfund, also 125 Gramm. Die Umrechnung: Loth x 15 = Gramm.
Schnellregel: 1 Loth = 15 g. 2 Loth = 30 g. 4 Loth = 60 g. 8 Loth = 120 g. 16 Loth = ein halbes Pfund (240 g, regional 250 g).
Das Quint - die kleinste Kücheneinheit
Ein Quint wog 3,5 Gramm (genau: 1/4 Loth). In heutigen Begriffen liegt das zwischen einem halben und einem ganzen Teelöffel Gewürz. Wer in einem alten Rezept "2 Quint Zimt" liest, nimmt 7 Gramm - etwas mehr als ein gestrichener Teelöffel.
Das Wort kommt vom lateinischen "quintus" (der Fünfte). Ursprünglich war ein Quint der fünfte Teil eines Loths in manchen Regionen. In der preußischen Norm setzte sich die Definition als 1/4 Loth durch.
Der Vierling - das Viertel Pfund
Ein Vierling ist schlicht 125 Gramm - ein Viertel Pfund. Der Begriff taucht vor allem in süddeutschen und österreichischen Kochbüchern auf. "Ein Vierling Butter" sind 125 g, was einem kleinen Butterpäckchen im Supermarkt entspricht.
Im Prinzip ist der Vierling identisch mit der Angabe "1/4 Pfund". Der eigene Name zeigt, wie häufig diese Menge im Alltag verwendet wurde.
Das Maß - der bayerische Liter
Ein Maß entspricht 2 Litern. Bekannt ist die Einheit vor allem durch das Oktoberfest: Die Maßkrüge fassen genau einen Liter Bier - also ein halbes Maß. Historisch wurde das Maß für Flüssigkeiten aller Art verwendet: Milch, Wein, Bier, Wasser.
Die Bayerische Maß war die gebräuchlichste, aber auch hier gab es regionale Unterschiede. Das Wiener Maß war kleiner (ca. 1,4 Liter). Für Kochrezepte gilt die deutsche Standardmaß: 1 Maß = 2.000 ml = 2 Liter.
Im Biergarten bestellt man "eine Maß" (also einen Liter). Das ist streng genommen ein halbes Maß. Die volle historische Maß fasst 2 Liter - das würde selbst in Bayern auffallen.
Der Seitel - das österreichische Drittel
Ein Seitel (auch Seidel oder Seidl) entspricht 1/3 Liter, also rund 333 ml. In Österreich und Bayern war der Seitel ein gängiges Maß für Flüssigkeiten. Ein "Seidel Bier" in Wien fasst traditionell 0,3 Liter - nah am historischen Seitel.
In alten Kochrezepten steht "1 Seitel Milch" für etwa 333 ml. Wer keinen Messbecher griffbereit hat: Das ist etwas mehr als ein großes Glas oder 0,33 Liter.
Das Neulot - der Kompromiss von 1872
Nach der Einführung des metrischen Systems im Deutschen Reich wurde das alte Loth durch das Neulot ersetzt. Ein Neulot wog 10 Gramm - ein glatter metrischer Wert statt der krummen 15 Gramm des alten Loths. Ein Pfund (500 g) enthielt also 50 Neulot.
Das Neulot war ein Übergangskompromiss: metrisch, aber mit einem vertrauten Namen. Es verschwand relativ schnell aus dem Sprachgebrauch, weil sich die Grammangabe durchsetzte.
Der Zentner - 50 Kilogramm
Ein deutscher Zentner wiegt 50 Kilogramm (100 Pfund). Die Bezeichnung stammt vom lateinischen "centenarius" (Hundert). In der Schweiz meint ein Zentner allerdings 100 kg - Vorsicht bei alten Schweizer Rezepten für Großküchen.
In der Küche kommt der Zentner selten vor. Er begegnet eher in landwirtschaftlichen Kontexten: "ein Zentner Kartoffeln" für 50 kg. Für Rezepte relevant ist der Doppelzentner (100 kg, Abkürzung dz), der in der Erntestatistik bis heute verwendet wird.
Alle alten Maße variierten je nach Region. Ein Loth in Hamburg wog anders als in Wien. Die hier genannten Werte sind die preußischen/deutschen Standardwerte, die nach 1872 galten. Bei Rezepten aus Österreich oder der Schweiz können die Werte abweichen.
Prise, Messerspitze und Schuss - die Augenmaße
Neben den gewogenen Einheiten kannten alte Rezepte informelle Maße, die sich bis heute gehalten haben:
- 1 Prise: Die Menge Salz oder Gewürz, die zwischen Daumen und Zeigefinger passt. Weniger als 1 Gramm. Bei Salz etwa 0,3 g, bei feinem Gewürzpulver bis zu 0,5 g.
- 1 Messerspitze: Was auf die Spitze eines Tafelmessers passt - rund die Hälfte eines Teelöffels. Ideal für starke Gewürze wie Cayenne oder Muskat.
- 1 Schuss: Ein kurzer Guss aus der Flasche, etwa 10-20 ml. Typisch für Essig, Öl oder Wein im Rezept. Entspricht grob 1-2 Esslöffeln.
- 1 Spritzer: Wenige Tropfen, typisch bei Zitronensaft oder Tabasco. Etwa 3-5 ml.
Diese Maße sind absichtlich ungenau. Sie lassen Spielraum zum Abschmecken. In der modernen Küche werden sie trotzdem weiter verwendet, weil sie praktisch sind.
Omas Rezeptbuch umrechnen: Schritt für Schritt
Sie haben ein altes Rezept mit unbekannten Maßangaben? So gehen Sie vor:
- Einheit identifizieren: Handelt es sich um ein Gewichtsmaß (Loth, Quint, Pfund) oder ein Volumenmaß (Maß, Seitel)?
- In der Tabelle oben nachschlagen: Finden Sie den Grammwert oder Milliliterwert.
- Multiplizieren: "3 Loth Zucker" = 3 x 15 g = 45 g. "2 Seitel Milch" = 2 x 333 ml = 666 ml.
- Augenmaße einschätzen: Bei "Prise", "Messerspitze" oder "Schuss" abschmecken und nach Gefühl dosieren.
Die alten Maße stammen aus einer Zeit, als jede Stadt ihre eigene Waage hatte. Erst seit 1872 misst ganz Deutschland in Gramm und Liter - und trotzdem bestellen wir beim Metzger noch "ein Pfund Hack".
Häufige Fragen zu alten Maßen
Wie viel Gramm ist ein Loth?
Ein Loth entspricht etwa 15 Gramm (preußischer Standard). Regional schwankte der Wert zwischen 14,6 und 16,7 Gramm.
Was ist ein Quint in Gramm?
Ein Quint wiegt 3,5 Gramm. Das ist ein Viertel Loth.
Wie viel Liter ist ein Maß?
Ein Maß entspricht 2 Litern. Die Biergarten-Maß (1 Liter) ist historisch ein halbes Maß.
Was bedeutet Seitel?
Ein Seitel (Seidel) ist 1/3 Liter, also rund 333 ml. Das Maß stammt aus Österreich und Bayern.
Wie viel wiegt ein Vierling?
Ein Vierling wiegt 125 Gramm - genau ein Viertel Pfund. Entspricht einem kleinen Butterpäckchen.
Gibt es ein Neulot heute noch?
Nein. Das Neulot (10 g) war eine Übergangseinheit nach 1872 und verschwand innerhalb weniger Jahrzehnte.
Sind die alten Maße überall gleich?
Nein. Vor 1872 hatte fast jede Region eigene Definitionen. Ein Loth in Preußen wog anders als in Wien oder Zürich. Die hier genannten Werte sind die meistverbreiteten deutschen Standardwerte.
